Mittwoch, 13. Dezember 2017

Rezension: Die Vegetarierin von Han Kang

Die Vegetarierin // Han Kang //
190 S. // Aufbau TB Verlag
Darum geht's

Klappentext

Ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.
»Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.«


Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

Die Story / Idee

Die Geschichte beginnt ruhig aber dennoch interessant, es geht um das Alltagsleben eines Ehepaares, genauso wie es die Koreanische Gesellschaft als Norm ansieht. Dieses kippt jedoch, und die Protagonistin versucht auszubrechen und eine Art Kampf entsteht. Ein Kampf mit sich selbst und mit der Gesellschaft.
Ich denke, dass ist allerdings nur einer der Hintergründe dieser ganzen Geschichte. Neben diversen psychologischen Aspekten steckt vermutlich noch weitaus mehr dahinter, was ich vielleicht auch gar nicht so gut erfassen – da ich mich schlicht zu wenig mit der koreanischen Kultur und Gesellschaft auskenne. Allerdings hat mich das Buch sehr dazu angeregt, mich viel mehr damit zu befassen. Im Zusammenhang mit dem Buch, bin ich dabei auch auf verschiedene Interpretationen gestoßen, welche extrem interessant waren.  

Die Charaktere

Hauptsächlich geht es vorerst um Yeong-Hye und Ihren Mann. Nach und nach spielen allerdings weitere Personen, sowie z.B. die Schwester von Yeong-Hye und deren Mann, eine große Rolle. Ich habe die Charaktere als sehr gut ausgearbeitet empfunden und alle haben eine gewisse Tiefe. Generell ist in diesem Buch aber nichts Oberflächlich oder 0815. Die Psyche von der Protagonistin wird unheimlich gut dargestellt und ich konnte gut mit Ihr mitfühlen. Übrigens ist die Protagonistin eigentlich Veganerin, aber im koreanischen gibt es dafür anscheinend keinen Begriff.

Der Schreibstil

Der Schreibstil ist recht neutral / nüchtern gehalten und irgendwie strahlt dieser eine gewisse Ruhe aus. Dieses passt perfekt zu dem Buch und ist sehr angenehm zu lesen. Nichts ist verschnörkelt, beschönigt oder gekünstelt sondern einfach Echt. Da die Geschichte generell sehr viel Raum für Interpretation lässt, wird das von diesem, eher sachlichen Schreibstil, noch unterstützt.

Abschließendes Fazit

Es ist wirklich nicht ganz einfach dieses Buch zu beschreiben. Ich bin sehr beeindruckt von der Tiefe und dem herausragenden Inhalt dieses kurzen, kleinen Buches. Es enthält einfach so unfassbar vieles, was viele Gefühle in mir auslöste. Die psychischen Aspekte und das Seelenleben der Protagonistin haben mich sehr mitgenommen und ich fand es großartig, auch wenn viel tragisches in dieser Geschichte liegt. Es ist eben absolut kein „Friede-Freude-Eierkuchen“ Buch. Für mich ist das Buch ein Jahreshighlight und ich werde noch sehr lange über dieses Buch nachdenken (vor allem über das Ende). Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Meinungen sehr stark auseinander gehen – was schon alleine an dem Interpretationsspielraum, dem Verständnis für die koreanische Gesellschaft / Kultur und den leicht surrealen Elementen liegen könnte. 


Meine Bewertung 5/5 Zaubertränken

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen